Die Lesereise geht weiter

Kurz vor den Weihnachtsferien stattete der allseits bekannte „Grüffelo“ von Julia Donaldson und Axel Scheffler den Kindern der Hargesheimer 2b und ihrer Klassenlehrerin Andrea Becker seinen ersten Besuch ab. Natürlich war er davon ausgegangen, dass ihn dort niemand wirklich kannte. Doch weit gefehlt. Anhand der von Lesepatin Claudia Römer mitgebrachten Kamishibai-Bilderkarten und der „Grüffelo“-Handpuppe war es den Mädchen und Jungen ein Leichtes, seine Geschichte zu erzählen. Wie ist es denn bestellt um die kleine, aber unerschrockene Maus, die durch eine List in Gefahr gerät? Wie kann es ihr gelingen, der von ihren Fressfeinden ausgehenden Bedrohung zu entkommen? Was hat sie nur immer mit dem Grüffelo, der ein schreckliches und immerzu hungriges Wesen zu sein scheint? Wie kann sie ihren Gegnern damit Angst einjagen? „Dabei gibt es ihn gar nicht, den Grüffelo!“ Vielleicht aber doch! Also sollte man zumindest Vorsicht walten lassen und ihm respektvoll begegnen. Dies wusste insbesondere ein junges Mädchen, das den ganzen Text im Kopf hatte und ihn, obwohl sogar in Reimform geschrieben, auswendig wiedergeben konnte. Sicherlich: Hier oder da griff Claudia Römer hilfreich ein, aber im Zusammenwirken mit der Schülerin und ihren wissbegierigen Klassenkameraden folgten alle der Maus und ihrem großen Freund, dem Grüffelo, aufmerksam. Gerade die kurzen Nachfragen und kleinen Gespräche zwischendurch machen einen solchen Besuch wertvoll und unvergesslich. Die anschließende Bastelaktion, die darin bestand, ein „Grüffelo“-Windlicht zu erstellen, kam denn auch sehr gut an und mit viel Freude gingen alle an die Arbeit. Eine zauberhafte Vorlesestunde ging zu Ende!

Ähnlich angenehm verlief das Vorlesen in der Klasse 3b mit ihrer Klassenlehrerin Sonja Hexel. In dieser Stunde waren es 20 neugierige Augenpaare, die der Lesepatin entgegenblickten. Ihnen hatte sie Erhard Dietls Buch „Die Olchis feiern Weihnachten“ mitgebracht. Natürlich waren die kleinen grünen Wesen mit ihrem eigenwilligen Aussehen den Kindern bekannt. „Sie haben Hörhörner“ und eine „richtig lange Nase“, sie sind „faul“ und riechen eher „streng“, wussten sie zu berichten. Doch wie die Olchis Weihnachten feiern, das war ihnen noch fremd. Was setzt der Junge Tommy in Gang, als er zwei Olchi-Kindern begegnet und ihnen vom Weihnachtsmarkt berichtet? Wie reagiert sein Hund Flocki auf die Olchis? Und was geschieht, wenn diese nachhause laufen und gemeinsam mit ihren Familienmitgliedern für eben diesen Markt basteln, sägen, hämmern, dichten und backen? Können sie das hier Erschaffene tatsächlich in Schmuddelfing „olchig gut“ verkaufen? Warum nur wollen sie aber ausgerechnet mit Schuhsohlen und Fischgräten bezahlt werden? Erhard Dietl erreichte die Drittklässler mit seiner Geschichte, die lustig und unterhaltsam geschrieben ist. Seine Sprache ist kindgemäß und die im Buch enthaltenen Illustrationen bereiten schon beim Hinsehen Freude. Wenn einen dann noch ein niedliches Olchi-Mädchen mit großen Augen, Knubbelnase und hübschen Zöpfchen, „Olchi-Haare sind so hart, dass man sie nicht mit einer Schere schneiden kann, sondern eine Feile braucht“, anlächelt, dann muss man schmunzeln. So geriet auch diese Vorlese-Stunde zu einem heiteren Miteinander voller Interaktion und Spaß am Zuhören und Mitdenken. Das abschließende Basteln solcher Wesen aus grünem Butterbrotpapier und anderen Materialien gefiel und wurde gerne angenommen.

 

Die Stiftung Lesen, die sich sehr mit diesem Thema des Vorlesens beschäftigt und viele Angebote bereithält, nennt zehn Gründe: „Vorlesen schafft 1. Nähe, 2. vergrößert den Wortschatz, fördert 3. die Fantasie, macht 4. empathisch, 5. selbstbewusst, 6. eröffnet die Tür zu Wissen, stärkt 7. die Aufmerksamkeit, macht 8. Lust auf Lesenlernen, zeigt 9, wie Sprache funktioniert, und macht 10. fit für die Schule“. Lesepatin Claudia Römer schaut dem nächsten Zusammentreffen bereits gespannt entgegen.