Vom Seepferdchenhof bis zu den Abenteuern im Land Wiesengrund

Interessiert und aufmerksam lauschten die Kinder der 2b den Erzählungen des kleinen Meermädchens Elli, das – durch eine Verstauchung gehandicapt – nicht ihrem Lieblingshobby, dem Wasserballspielen, frönen kann: „Elli seufzte. Das würden bestimmt die langweiligsten Sommerferien ihres Lebens werden.“ Zum Glück aber wendet sich jedoch für sie alles zum Guten. Wer hätte denn auch daran geglaubt, dass Elli nicht der „langweiligsten“, sondern sogar der spannendsten Zeit entgegenblickte? Ja, das hübsche Meermädchen lernt in diesen Wochen ihren Klassenkameraden Maris näher kennen. Der Junge nämlich kann nicht nur Seepferdchen reiten, nein, er lebt tatsächlich auf einem Seepferdchenhof und unterstützt dort seine Eltern, die ihr Herz an die Tiere verloren haben. Und wie könnte es anders kommen? Auch Elli versteht nach und nach, wie reizvoll und verletzlich diese zarten Wesen sind. Wenn sie das junge Mädchen mit ihren treuen Augen anblicken, ist es um Elli geschehen. Sie verliebt sich in die Tiere und vergisst ihren eigenen Schmerz, denn ihre beste Freundin Mona scheint sich einer anderen Handballspielerin zugewandt und sie vergessen zu haben. Das Rennseepferdchen Stormi aber, das von seinem Besitzer schlecht und überhaupt nicht tiergerecht behandelt worden ist und darüber sein Vertrauen zu Meermenschen verloren hat, weckt Ellis Mitleid. Wie gerne käme sie dem traurigen Tier näher und tröstete es über sein Leid hinweg. Doch dies braucht Zeit und ganz viel Sympathie und Verständnis! Sollte es Elli gelingen, in Stormi einen neuen Freund zu finden und auch Mona anders und neu kennenzulernen?

Kathrin Lena Orsos Kinderbuch „Wilde Flosse, großes Herz. Mein Seepferdchenhof“ ist nicht nur wundervoll illustriert (hier zeichnet Leonie Engel verantwortlich), nein, es zeigt eindrücklich, wie wichtig Freundschaft ist und wie sehr Verantwortung und Nähe zu einem guten Miteinander beitragen können. Es ist in kindgerechter Sprache geschrieben, spannend und lustig in einem und spricht Themen an, die auch schon Siebenjährigen begegnet sind.

Verbindet man das Vorlesen mit Basteln zum Buch, spürt man die Freude, die die Kinder ergriffen hat. Die fertigen Moosgummi-Seepferdchen gehen am Ende mit ihnen nachhause.

Ähnlich nah an der Lebenswelt der Mädchen und Jungen zeigt sich Christian Wunderlichs Kinderroman „Mats & Mathilde. Ein Freund wie ein Zuhause“. Mats Piep, eine Mischung aus Spatz und Schwalbe, daher von seiner Mutter liebevoll „Schwatz“ genannt, trifft eines Tages auf Mathilde Vogelscheuch, die von der kleinen Enkelin eines Bauern zum Leben erweckt wird. Sie näht nämlich ein Herz aus goldenem Stoff an die Brust der Vogelscheuche und wird somit zu Mathildes „Mama“. Die Abenteuer können beginnen. Gemeinsam mit ihrem kleinen Reisebegleiter, der an starker Flugangst leidet und am liebsten für immer und ewig bei seiner Familie geblieben wäre, begibt sich Mathilde auf eine Reise ins Ungewisse. „Wo eine Mama is, da is ein Zuhause“, hatte die fürsorgliche Schwatzen-Mutter einst gesagt, doch nun naht der Herbst und sie fliegt mit Mats‘ Geschwistern Flitz und Piep in den warmen Süden. Nur Mats selbst und sein Papa bleiben daheim, denn der gehört zu den hier ansässigen Spatzen. Als der Tag der Trennung gekommen ist, ist Mats arg traurig, doch seine Mama tröstet ihn mit den Worten: „Aber natürlich, im nächsten Frühling kehre ich zurück. Und wenn ich verloren gehe, finde ich immer den Weg nach Farbenfroh.“ Dass es nicht so kommen wird, ahnt man bereits an dieser Stelle. Mats wartet und wartet, sein Papa wird jeden Tag ein wenig trauriger, Mathilde Vogelscheuch aber nimmt sich des kleinen Vogels an und geht gemeinsam mit Mats auf eine fantastische Reise. Dabei lernen sie eine überaus launische Wasserstraße kennen, kämpfen sich mit König Maroni und seiner gerösteten Garde durch das Land Wiesengrund und das „Letzte, was Mathilde Vogelscheuch je in ihrem Leben hörte, war ihr eigener Herzschlag“.

Ein wundervolles Buch mit herrlichen Illustrationen von Anne Hofmann! Es ist nicht schwer, tief einzutauchen in diese Erzählung von Verantwortung, Treue und tiefer, das Leben überdauernder Freundschaft zwischen zwei vordergründig so unterschiedlichen Wesen. Der Autor Christian Wunderlich schreibt nah am Kind, beflügelt dessen Fantasie und zeigt ihm unverzichtbare menschliche Werte auf. Wenn dann ein Mädchen der 3b wissen will, ob „noch gebastelt“ wird, dann spürt man, dass das Buch die Kinder erreicht hat. Ansprechende Vögel, passend zum Thema, aus wiederum Moosgummi mit langen Beinen aus bunten Perlen, schließen die Lesestunde ab und gehen ebenfalls mit heim.