In der Vorbereitung auf meine Stunden als Lesepatin durchstöbere ich immer wieder wundervolle Buchhandlungen, in denen Kinderbücher offenkundig einen hohen Stellenwert besitzen. Die Regale in diesen Abteilungen sind dicht gefüllt. Buch schmiegt sich an Buch und dazwischen lachen einen passende Kuscheltiere zu den Geschichten ein, bunte Lesezeichen möchten mitgenommen und Klettergerüste erobert werden. Wohin man sich auch wendet, fühlt man sich dazu eingeladen, sich auf einem der Sitzgelegenheiten niederzulassen und einfach los zu schmökern. Dieser einzigartige Zauber fängt einen ein und inspiriert. Genau so war es auch in der Vorbereitung zu meinen Besuchen in der zweiten und dritten Klasse.

Spannung sollte geweckt werden, Interesse an den Abenteuern der kleinen Millilu, die sich auf einer Hausbootreise befindet und dabei viel erlebt und sieht. Dieses Mädchen, das sich den Namen „selbst gegeben“ hat, „zum Geburtstag“, wie sie betont, ist ein ausgesprochen fantasiebegabtes Wesen, das nicht müde wird, sich jährlich einen neuen „zu schenken“. Auf diese Weise heißt sie inzwischen noch „Fiolina, Amaya, Enali, Mayela, Lupalie, Thekadanda, Wummelie, Rosinchen, Bu“, Namen, die nicht nur die Kinder der 2b zum Schmunzeln brachten, sondern auch Stella und Luna, die im Kinderbuch „Flusskind. Millilu und der Gesang der Fische“ (Bd.1) auf die Protagonistin treffen, beeindrucken. „,Stella, der Stern, das Leuchten am Himmel, ein Wunsch, der in Erfüllung geht, wie ein leuchtendes Auge in dunkler Nacht!‘ (…) und ,Luna, der Mond, der die Nacht erhellt und einem von vergangenen alten Zeiten erzählen kann. Der Mond kennt die ältesten Geschichten der Erde. Wenn er einmal anfangen würde zu erzählen, bräuchte er alle Zeit der Welt und noch viel mehr‘“. Ja, Millilu ist außergewöhnlich, redegewandt, nicht auf den Kopf gefallen und risikofreudig. Vanille, ihre „hübsche weiße Ziege“, und „Hennilotte, mein Huhn“, begleiten sie auf ihren Reisen, denn sie sucht ihre Eltern. Stella und Luna, das fühlt Millilu intuitiv, müssen „Seelenschwestern“ werden und so folgt man den drei Kindern und zwei „Hausboot-Tieren“ gebannt und man spürt recht schnell, dass der „Fluss Piktori“ noch viel zu erzählen haben wird. Autorin Sabine Bohlmann und Illustratorin Simona Ceccarelli haben einen Roman erschaffen, der einen packt und Seite um Seite nahezu verschlingen lässt. Die Welt auf die je eigene Art und Weise zu erkunden, bereitet Freude und schenkt Lesespaß!

Ähnliches geschieht einem beim Lesen des Buches „Was Drachen im Frühling machen“, geschrieben von Henning Callsen und detailverliebt illustriert von Lisa Rammensee. Hier ist es der kleine Drache Alfi, der gemeinsam mit seinen Freunden die ersten Frühlingstage erleben darf. Entgegen aller Voraussicht und völlig unvorbereitet, beginnen „dicke Schneeflocken vom Himmel zu schweben“, so heißt es auf dem Einband. Den Freunden ist klar: Jemand muss den Frühling gekidnappt haben, womöglich ein ganz unangenehmer Schneedrache! Natürlich muss dem Frühling geholfen werden, also fassen sich Alfi und seine Kameraden ein Herz und ziehen los, beseelt von dem Vorhaben, zu dessen Befreiung beizutragen. Auch hier ist es die Nähe zur kindlichen Vorstellungswelt und die bildhafte und auch lustige Schreibweise, die Kinder in den Handlungsablauf einzubinden und ihnen ein faszinierendes Lesevergnügen zu ermöglichen. Allein zu hören, wie sich Alfi an einer gehörigen Portion Spagetti mit ganz viel Tomatensauce – wenn auch kalt -, satt isst, zaubert einem ein Schmunzeln auf die Lippen. Drachen – und nicht nur sie – genießen das Erwachen der Natur, sie spielen, entdecken und schauen den Knospen zu. Besonders gut gefiel den Mädchen und Jungen dabei der Gedanke: „Im Frühling steckt in jedem Tag ein kleines Abenteuer.“

Passend zu den Geschichten wurde anschließend gebastelt. Plötzlich lagen lustige Drachen aus halben Papptellern und Fotopapier sowie niedliche Ziegen ebenfalls aus Papptellern auf den Tischen. Jedes Tier bekam seinen ganz eigenen Charakter und brachte viel Freude in die Klassenzimmer. Natürlich durften auch bei diesen Lesestunden Kuscheltiere in der Mitte sitzen, die in unmittelbarer Nähe zu den Inhalten der Bücher standen. Die Kinder staunten, strahlten und hörten voller Interesse zu.

Solche Augenblicke lassen die Besuche in den jeweiligen Klassen zu etwas ganz Besonderem werden – und mir geht dabei jedes Mal förmlich das Herz auf!